{"id":656,"date":"2023-10-23T18:06:43","date_gmt":"2023-10-23T17:06:43","guid":{"rendered":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/?page_id=656"},"modified":"2023-10-27T17:03:26","modified_gmt":"2023-10-27T16:03:26","slug":"die-usa-auf-dem-gipfel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/die-usa-auf-dem-gipfel","title":{"rendered":"Die USA auf dem Gipfel"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Markus Mezger\u00a0 |\u00a0 12. Oktober 2023<\/strong><\/h3>\n<p>Die letzten Jahre stellten die globale Wirtschaft vor gro\u00dfe Herausforderungen: Der Klimawandel erfordert langfristig hohe Investitionen, soll das Ziel einer deutlichen Reduktion des CO2-Aussto\u00dfes erreicht werden. Der von der Politik gew\u00e4hlte Umgang mit dem Corona-Virus f\u00fchrte nicht nur zu erheblichen Einschr\u00e4nkungen pers\u00f6nlicher Freiheitsrechte, sondern bewirkte tempor\u00e4r einen schweren Einbruch der weltweiten Wirtschaftsleistung.<\/p>\n<p>Der anschlie\u00dfende Aufschwung legte die Vulnerabilit\u00e4t eines vernetzten globalen Wirtschaftssystems offen. Durch vielf\u00e4ltige Engp\u00e4sse in der Post-Corona-Welt zogen die Preise auf breiter Front deutlich an und beendeten das vor allem in den westlichen Industrienationen gepredigte Mantra, man k\u00f6nne Geldmengen und Staatsverschuldung endlos ausdehnen, ohne Konsequenzen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Und auf der geopolitischen Seite hat sich eine neue Blockbildung aufgetan, die die vorangegangene, mit niedrigen Inflationsraten verbundene Globalisierung in ihr Gegenteil verkehrte. Beginnend mit der Einf\u00fchrung neuer US-Z\u00f6lle gegen China unter Trump, hat sich der Ton zwischen den wirtschaftlichen Gro\u00dfm\u00e4chten USA und China deutlich versch\u00e4rft. In der Ukraine wird nach dem \u00dcberfall Russlands seit Februar 2022 Krieg gef\u00fchrt, in dessen Folge die europ\u00e4ische Energieversorgung neu konzipiert werden muss.<\/p>\n<p>In diesem Makroumfeld blieb die Wirtschaftsleistung in vielen Volkswirtschaften deutlich unter dem Potenzialwachstum. Sei es in China, wo eine bis in das Jahr 2023 fortgef\u00fchrte restriktive Corona-Politik und die Probleme im chinesischen Immobiliensektor die Wirtschaft einbremsten. Sei es in Europa, wo das Sorgenkind Deutschland mit einer \u00fcberambitionierten Energiepolitik die Kostenproblematik in einigen Branchen noch versch\u00e4rfte.<\/p>\n<p>Die US-Wirtschaft steht hingegen relativ gut da. W\u00e4hrend z.B. f\u00fcr Deutschland f\u00fcr das Jahr 2023 ein R\u00fcckgang des BIP um 0,5% prognostiziert wird, wird die Wirtschaftsleistung in den USA vermutlich um 2-3% zulegen. Die letzten Sch\u00e4tzungen zeigten sogar noch deutlicher nach oben. Die Erschlie\u00dfung eigener Energievorkommen u.a. durch Fracking hat die USA von (teuren) \u00d6limporten in den letzten 15 Jahren weitgehend unabh\u00e4ngig gemacht. Der Zugang zu, im globalen Ma\u00dfstab sehr g\u00fcnstigem US-Erdgas, ist ein nicht zu vernachl\u00e4ssigender Standortvorteil der amerikanischen Industrie.<\/p>\n<p>Die amerikanischen Internet- und IT-Unternehmen sind, was den B\u00f6rsenwert betrifft, die mit Abstand gr\u00f6\u00dften Unternehmen weltweit. Ihr Datenhunger wurde in der Corona-Zeit noch einmal ausgiebig gestillt. Die in den USA ersonnenen Lockdown- und Impf-Konzepte sowie die erzwungene Offenlegung selbst banaler Alltagsgesch\u00e4fte bescherten den US-Internetkonzernen eine Datenflut, an die sie ansonsten nur schwer herangekommen w\u00e4ren. Der bis dahin in den westlichen Demokratien gepflegte Meinungspluralismus wurde durch die eine, Meinung ersetzt, die von den offiziellen Stellen und Massenmedien unisono vertreten wurde. Sogenannte, von diesen Stellen bezahlte Faktenchecker sorgen daf\u00fcr, dass jedwede Kritik, ob begr\u00fcndet oder nicht, diffamiert wird.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass es in der Geopolitik der westlichen Industrienationen auch nur noch eine richtige Meinung, zuf\u00e4lligerweise die den Interessen der USA entsprechende, gibt. Die europ\u00e4ischen Volkswirtschaften haben ein nat\u00fcrliches Interesse daran, mit dem rohstoffreichen Russland regen Handel zu treiben und in Frieden zu leben. Eine Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok ist f\u00fcr Europa langfristig wirtschaftlich und politisch die beste Option. Das Zustandekommen dieser Union liegt aber nicht im Interesse der USA, die Bestrebungen in diese Richtung in den letzten Jahren erfolgreich hintertrieben haben. Die Geschichte der Pipeline Northstream 2 kann ein Lied davon singen, auch schon lange bevor der Krieg in der Ukraine offiziell begonnen hat. Und dieser Krieg kommt den USA nicht ungelegen, so zynisch das auch klingen mag. Er kostet die USA nicht viel, schw\u00e4cht aber Russland erheblich. Aus Sicht der USA darf dieser Zustand noch eine Weile andauern. Im Fr\u00fchjahr 2022 wurden die offenbar schon fortgeschrittenen Friedensverhandlungen von angloamerikanischer Seite erfolgreich torpediert.<\/p>\n<p>Viel wichtiger als die Schw\u00e4chung Russlands mag jedoch ein anderer Aspekt dieses Krieges sein. Die europ\u00e4ische Politik wurde erfolgreich auf Linie mit US-Interessen gebracht. Dies ist insofern wichtig, da nicht wenige Politiker in den USA einen versch\u00e4rften Konflikt mit China als unvermeidlich ansehen. Auch hier hat Europa von den USA divergierende wirtschaftliche und politische Interessen, wenn auch nicht in demselben Ma\u00dfe wie in Bezug auf Russland. Eine unabh\u00e4ngige, an eigenen Interessen orientierte Politik Europas w\u00fcrde die Position der USA gegen\u00fcber China schw\u00e4chen. Man denke nur daran, europ\u00e4ische Firmen w\u00fcrden in der hochgradig vernetzten globalen Chip-Industrie den von den USA gegen China begonnenen Chip-Krieg nicht mitziehen. Umso wichtiger ist es, dass die durch die Dominanz der US-Medien in der westlichen Welt einheitlich verbreiteten Narrative nicht in Frage gestellt werden.<\/p>\n<p>Doch wie nachhaltig ist die oben geschilderte Politik der USA? K\u00f6nnten sich nicht manche dieser Erfolge demn\u00e4chst als Pyrrhussiege herausstellen? Wo liegen die Achillesfersen des westlichen Systems? Welche Entwicklungen sind au\u00dferhalb des westlichen Blockes bereits im Gange und wie betreffen sie US-Interessen langfristig? Dieser Beitrag will diesen Fragen in den n\u00e4chsten Kapiteln nachgehen.<\/p>\n<h3><strong>Die Verschiebung der Nato nach Osten war vordergr\u00fcndig ein Erfolg der US-Au\u00dfenpolitik<\/strong><\/h3>\n<p>Die konfrontative Politik der USA gegen Russland hat eine lange Vorgeschichte. Sie reicht weit vor den Regierungswechsel in der Ukraine und die anschlie\u00dfende Eingliederung der Krim in die Russische F\u00f6deration im Jahr 2014 zur\u00fcck. Sie beginnt bereits 1991 mit dem Wunsch der VISEGRAD-Staaten Polen, Tschechien und Ungarn der Nato beizutreten. Zu einem Zeitpunkt, als sich die Sowjetunion gerade aufgel\u00f6st hatte und Russland von einer Krise zur n\u00e4chsten taumelte. Zuvor hatte Gorbatschow die DDR in den 4+2 Verhandlungen entgegen den Vorstellungen seiner au\u00dfenpolitischen Berater praktisch verschenkt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Gorbatschow hatte aber wenigstens die m\u00fcndliche Zusage erhalten, dass die Nato mit dem vereinten Deutschland nicht \u00fcber die damaligen Grenzen ausgedehnt wird. Als das schriftlich zu Protokoll genommen werden sollte, setzte sich in der US-Politik die Neigung durch, sich als Sieger des Kalten Krieges zu begreifen. Typisch f\u00fcr diese Sichtweise ist die \u00c4u\u00dferung des au\u00dfenpolitischen Beraters Brent Snowcroft bez\u00fcglich der Zusage, die Nato nicht nach Osten zu erweitern: \u201eZur H\u00f6lle damit. Wir haben uns durchgesetzt, sie nicht. Wir k\u00f6nnen den Sowjets nicht erlauben, sich den Sieg aus den Klauen einer Niederlage zu holen\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Es ist diese Art zu denken, mit der in den neunziger Jahren die gro\u00dfe Chance vertan wurde, eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa aufzubauen und die Altlasten des Zweiten Weltkriegs endlich abzustreifen. Stattdessen wurde die Strategie, Russland systematisch einzugrenzen durch den einflussreichen US-Politik Berater Zbigniew Brzezinski neu formuliert.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Der Zerfall der Sowjetunion m\u00fcsse demnach genutzt werden, um die Hegemonie \u00fcber Europa langfristig zu sichern. Vor allem m\u00fcsse eine wirtschaftliche Verflechtung zwischen den technologiestarken westeurop\u00e4ischen Staaten und dem rohstoffreichen Russland verhindert werden.<\/p>\n<p>Damit griff Brzezinski die Herzland-Theorie auf, die 1904 von Halford Mackinder als Warnung f\u00fcr die damals f\u00fchrende Weltmacht England ausgesprochen wurde. Falls eine politische und wirtschaftliche Verbindung in Kontinentaleuropa zwischen dem aufstrebenden deutschen Kaiserreich und dem Russischen Reich zustande k\u00e4me, so w\u00e4re dies der Angelpunkt f\u00fcr eine weltbeherrschende Stellung. Vor dem Hintergrund der Eingrenzungsstrategie wurde in den USA beschlossen, die Nato sukzessive bis an die Grenzen Russlands auszudehnen. Eine Entscheidung, die von George F. Kennan, einem der Top-Russlandexperten der USA als ein \u201eFataler Fehler\u201c bezeichnet wurde. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Im Jahr 1999 wurden Polen, Tschechien und Ungarn aufgenommen. Im Jahr 2004 folgten Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rum\u00e4nien, die Slowakei und Slowenien. Zuletzt wurde noch Finnland aufgenommen. Sehr wahrscheinlich kommt in naher Zukunft noch Schweden hinzu.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"731\" height=\"731\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild_Nato_Osterweiterung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-659\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild_Nato_Osterweiterung.jpg 731w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild_Nato_Osterweiterung-300x300.jpg 300w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild_Nato_Osterweiterung-150x150.jpg 150w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bild_Nato_Osterweiterung-250x250.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als die USA ab dem Jahr 2003 ihre Interessenssph\u00e4ren auch nach den Schwarzmeerstaaten Georgien und Ukraine auszudehnen begannen, hat Moskau die roten Linien seiner Sicherheitsinteressen klar kommuniziert. Die Ukraine und Wei\u00dfrussland spielen aus milit\u00e4rstrategischer Sicht eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr Russland. Die nordeurop\u00e4ische Tiefebene war seit jeher das Einfallstor f\u00fcr ausl\u00e4ndische Armeen. \u201eSie ist in Polen nur knapp 500 km breit. An den Landesgrenzen der Ukraine und Wei\u00dfrusslands zu Russland ist sie bereits 3200 km breit und selbst mit einer riesigen Armee h\u00e4tte man seine Schwierigkeiten, sich entlang dieser Linie erfolgreich zu verteidigen.\u201c<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[5]<\/a> Die Krim hat f\u00fcr Russland eine noch gr\u00f6\u00dfere Bedeutung. Sewastopol ist der einzig eisfreie Hafen Russlands und sichert Russland nach S\u00fcden gegen die anderen Schwarzmeeranrainer ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet nach der Ukraine und der Krim begannen die USA ab 2008 konkret zu greifen. Bereits die Farbenrevolutionen in Georgien und der Ukraine 2003 respektive 2004 waren von den USA finanziert und unterst\u00fctzt.<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[6]<\/a> Im April 2008 hatte die Nato auf dem Gipfel in Bukarest ein einstimmiges Statement abgegeben: \u201eWe agreed that these countries [Ukraine and Georgia] will become members of Nato\u201d. Diese Formulierung wurde von der Regierung Bush gegen erhebliche Widerst\u00e4nde der Europ\u00e4er durchgesetzt. Die Reaktion der Russen, die dadurch ihre roten Sicherheitslinien \u00fcberschritten sahen, war ebenso eindeutig. \u201eNjet means Njet\u201c kabelte der Russland-Botschafter William J. Burns im Jahr 2008 nach Washington.<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[7]<\/a> Im August 2008 kam es zum 5-Tage-Krieg in Georgien, nachdem das von den USA direkt finanzierte georgische Milit\u00e4r die Russland zugeneigten Regionen Abchasien und S\u00fcdossetien mit Raketen angegriffen hatte. Eine russische Milit\u00e4rintervention beendete den Konflikt innerhalb von 5 Tagen.<a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[8]<\/a> Die Botschaft an die USA war klar. Bis hierhin und nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eskalation des Konflikts in der Ukraine kam schlie\u00dflich im Februar 2014, nachdem das EU-Assoziierungsabkommen abgelehnt wurde. Der gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident Janukowitsch wurde in einer Nacht und Nebel-Aktion aus dem Amt geputscht. Die USA waren \u00fcber Nichtregierungsorganisationen direkt an der Finanzierung und Steuerung der Demonstrationen beteiligt. Eine Regime Change Operation par excellence. Zuvor war den Sicherheitskr\u00e4ften der Regierung Janukowitsch f\u00e4lschlicherweise unterstellt worden, auf dem Maidan viele Protestanten erschossen zu haben. Die t\u00f6dlichen Sch\u00fcsse wurden aber nicht vom Boden, sondern von den auf den D\u00e4chern um den Maidan positionierten Scharfsch\u00fctzen abgegeben.<a id=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[9]<\/a> In jedem Fall waren die USA in der Bildung der nachfolgenden Provisionsregierung Jazenjuk ma\u00dfgeblich beteiligt.<a id=\"_ftnref6\" href=\"#_ftn6\">[10]<\/a> Diese Regierung konnte durchaus als anti-russisch und neofaschistisch bezeichnet werden.<a id=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\">[11]<\/a> Gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung der Ostukraine sahen ihre Interessen durch die neue Regierung nicht mehr repr\u00e4sentiert und weigerten sich an den Neuwahlen zum ukrainischen Parlament teilzunehmen. Was folgte, ist bekannt: der Konflikt wuchs sich in manchen ostukrainischen Regionen zu einem bewaffneten B\u00fcrgerkrieg aus, die Krim spaltete sich durch ein Referendum ohne Blutvergie\u00dfen von der Ukraine ab und wurde in die Russische F\u00f6deration eingegliedert. Dabei d\u00fcrfte es sich entgegen der in westlichen Medien gebr\u00e4uchlichen Formulierung weniger um eine \u201ev\u00f6lkerrechtswidrige Annexion\u201c, sondern eher um eine Sezession gehandelt haben.<a id=\"_ftnref8\" href=\"#_ftn8\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die USA hatten sich in diesem Konflikt einseitig auf die Seite der ukrainischen Regierung geschlagen. Dem B\u00fcrgerkrieg in der Ukraine haftete von Anfang an der Odem eines Stellvertreterkonflikts zwischen Russland und den USA an. Die EU-Staaten, die in einem B\u00fcrgerkrieg in einem europ\u00e4ischen Land eigentlich dringend h\u00e4tten vermitteln m\u00fcssen, folgten mehr oder weniger widerspruchslos der amerikanischen Linie. Die von Frankreich und Deutschland initiierten Vermittlungsversuche, die in den Minsker Abkommen m\u00fcndeten, waren von Anfang halbherzig angegangen und scheiterten u.a. auch daran, dass die ukrainische Seite wesentliche Vereinbarungen nicht umsetzte.<a id=\"_ftnref9\" href=\"#_ftn9\">[13]<\/a> Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel gab in einem Interview sp\u00e4ter zu, dass es bei den Minsker-Abkommen darum ging, \u201eZeit gekauft zu haben\u201c, um die Ukraine gegen Russland milit\u00e4risch aufzur\u00fcsten.<a id=\"_ftnref10\" href=\"#_ftn10\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00fcrgerkrieg hat sich durch den \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 zu einem offiziellen Krieg zwischen zwei Staaten gewandelt. Formal zwischen Russland und der Ukraine, de facto zwischen Russland und den USA\/Nato. Die Vorgeschichte dieses Krieges wurde an dieser Stelle so ausf\u00fchrlich geschildert, um aufzuzeigen, dass dieser Krieg nicht die Entscheidung eines verr\u00fcckt gewordenen Despoten ist, sondern f\u00fcr Russland aufgrund der empfundenen Eingrenzung einer gewissen Logik folgt. Laut einem Vortrag von Prof. Gabriele Krone-Schmalz an der Fachhochschule in Reutlingen<a id=\"_ftnref11\" href=\"#_ftn11\">[15]<\/a> hat die Ukraine bereits 2021 ein Dekret erlassen, in dem die R\u00fcckeroberung der Krim mit milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung der USA und Nato-\u00dcbungen im Schwarzen Meer vorgesehen waren. Dem Kreml mag der Waffengang mit der Ukraine\/USA langfristig als unvermeidlich erschienen sein. Aus seiner Sicht mag der Eindruck entstanden sein, dass nur noch die Wahl des Zeitpunkts in eigener Diskretion verbleibt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die derzeitige Strategie der USA gegen Russland hat viele Schwachpunkte<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die USA scheint ihre Osteuropastrategie bis hierhin erst einmal gut gelaufen zu sein. Durch den Staatsstreich im Jahr 2014 gelang es, die Ukraine f\u00fcr sich einzunehmen. Die vielen Sanktionspakete, die auf die Abspaltung der Krim folgten, wurden von den Europ\u00e4ern mitgetragen, wodurch Russland wirtschaftlich und politisch in Europa isoliert wurde. Die Optionen f\u00fcr eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und einzelnen europ\u00e4ischen Staaten, z.B. die Pipeline Northstream 2, wurden mit extremem politischem Druck und Polemik und zum Schluss mit purer Gewalt erfolgreich verhindert.<a id=\"_ftnref12\" href=\"#_ftn12\">[16]<\/a> Auch der russische \u00dcberfall auf die Ukraine kam den USA nicht ungelegen. L\u00e4sst sich doch damit die Frage, wer die Schuld an diesem Krieg tr\u00e4gt, zumindest im eigenen Block eindeutig beantworten. Zudem kann die Ukraine nun auch offiziell milit\u00e4risch unterst\u00fctzt werden. Und dieser Krieg er\u00f6ffnet wieder die milit\u00e4rische Option auf die Krim. Ohne den russischen \u00dcberfall w\u00e4re nur schwer zu vermitteln gewesen, warum eine Region, die sich ohne Blutvergie\u00dfen in einer Abstimmung f\u00fcr Russland entschieden hat, in einer kriegerischen Auseinandersetzung gewaltsam zur\u00fcckerobert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist aber auch schon der erste Schwachpunkt der amerikanischen Strategie benannt. Die Ukraine und die Krim sind f\u00fcr die USA letztlich \u201enice to have\u201c. Sie spielen in der globalen Geopolitik nur eine untergeordnete Rolle. Die USA, die sich als eine, \u00fcber dem V\u00f6lkerrecht stehende \u201eexceptional nation\u201c begreifen, haben seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Erfahrung gemacht, dass russische Interessen einfach \u00fcbergangen werden d\u00fcrfen, ohne dass dies gr\u00f6\u00dfere geopolitische Konsequenzen nach sich zog. Sei es nun in Jugoslawien 1999, dem Irak 2003 und schlie\u00dflich in Syrien 2011. Diese opportunistische Haltung st\u00f6\u00dft aber in der Ukraine an ihre Grenzen. F\u00fcr Russland ist die Krim keineswegs \u201enice to have\u201c, sondern sie wird als \u201emust have\u201c empfunden. Die Vorstellung, dass vor Sewastopol amerikanische Kriegsschiffe liegen k\u00f6nnten, ist f\u00fcr Russland v\u00f6llig unannehmbar. Wenn dieser Traum bei dem ein oder anderen in der Nato insgeheim gehegt wird, kommt man nicht umhin, das als eine unverantwortliche Dummheit zu bezeichnen. Russland d\u00fcrfte den Krieg weit \u00fcber das bisherige Niveau eskalieren, bevor es Gefahr l\u00e4uft, die Krim zu verlieren. Milit\u00e4rische Erfolge der Ukraine bringen vor diesem Hintergrund paradoxerweise nicht mehr, sondern weniger Sicherheit. Sollten Milit\u00e4rstrategen in der Nato und in der Ukraine die Krim nicht loslassen k\u00f6nnen, so besteht eine ernsthafte Gefahr eines gro\u00dfen, dritten Krieges in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die anderen, momentan von russischen Truppen besetzten ostukrainische Gebiete, ist eher eine Verhandlungsl\u00f6sung denkbar. Eine solche L\u00f6sung muss aber an den Interessen und Pr\u00e4ferenzen der der dort lebenden Menschen orientiert sein. Die Vorstellung, diese Regionen k\u00f6nnten nach 10 Jahren Krieg ohne weiteres wieder in eine pro-westliche und antirussische Ukraine eingegliedert werden, ist unrealistisch. Die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber eine sehr lange Au\u00dfengrenze zu Russland. Die ostukrainischen Regionen waren vor dem Krieg wirtschaftlich und kulturell eng mit Russland verflochtenen. Eine reine Westorientierung dieser Regionen und eine m\u00f6gliche Aufnahme in eine, sich gegen\u00fcber Russland abschottenden Europ\u00e4ischen Union sind f\u00fcr die Ukraine weder sinnvoll noch praktikabel. Und das ist der zweite Schwachpunkt der amerikanischen Strategie. Sie er\u00f6ffnet der Ukraine selbst im Falle eines milit\u00e4rischen Erfolges keine sinnvolle politische und wirtschaftliche Perspektive. Die Ukraine, will sie denn in Frieden und wirtschaftlicher Prosperit\u00e4t leben, muss eine Mittelposition zwischen Russland und den westeurop\u00e4ischen Staaten einnehmen. Das Land bezahlt heute einen hohen Preis daf\u00fcr, dass es durch seine einseitige Westorientierung zwischen die Fronten zweier Gro\u00dfm\u00e4chte geraten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies f\u00fchrt unmittelbar zum dritten Kritikpunkt der amerikanischen Strategie. Eine Strategie, die den europ\u00e4ischen Partnern kurz- und langfristig zum Schaden gereicht, wird von diesen auf Dauer nicht mitgetragen werden k\u00f6nnen. Europa und darunter insbesondere Deutschland zahlen neben der Ukraine und Russland den h\u00f6chsten Preis der verfehlten Russland-Strategie. Anstatt g\u00fcnstiges Erdgas per Pipeline zu beziehen, wird nun teureres Fl\u00fcssiggas \u00fcber die Ozeane geschippert, u.a. aus den USA. Rohstoffe werden \u00fcberteuert aus asiatischen Staaten bezogen, die sich selbst zu g\u00fcnstigeren Preisen aus Russland eindecken. Unter anderem mit deutschen Waffen wird wieder ein Krieg gegen Russland gef\u00fchrt. Wer mag bei der heutigen ukrainischen Regierung wirklich die Hand daf\u00fcr ins Feuer legen, dass diese Waffen nur zu Verteidigungszwecken genutzt werden? Schon der Gebrauch f\u00fcr die R\u00fcckeroberung der Krim w\u00fcrde diesen Zweck nach dem oben Gesagtem meiner Ansicht nach \u00fcberschreiten. Wie konnte es eigentlich so weit kommen? Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte, seiner Wirtschaftskraft und seiner geographischen Lage dazu pr\u00e4destiniert, eine Mittlerrolle zwischen den USA und Russland einzunehmen, ohne die Zugeh\u00f6rigkeit zum westlichen Block und zur Nato in Frage zu stellen. Dazu muss man sich ggf. gegen\u00fcber beiden Seiten abgrenzen. Dies haben die deutschen Bundeskanzler von Brandt, Schmidt, \u00fcber Kohl bis hin zu Schr\u00f6der auch getan. Erst die Regierung Merkel zeigte ein v\u00f6llig submissives Verhalten gegen\u00fcber den USA. Erinnert sei beispielsweise an den Verlauf des Besuches von Frau Dr. Merkel bei US-Pr\u00e4sident Obama, nachdem bekannt geworden war, dass die US-Geheimdienste (u.a.) das Handy der Bundeskanzlerin abgeh\u00f6rt hatten. Das ist eher die Karikatur einer Partnerschaft. Die Russland-Strategie der USA entspricht nun mal, wie oben ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert, nicht deutschen Interessen. Deutschland und Europa werden sich au\u00dfenpolitisch von den USA emanzipieren m\u00fcssen, wenn Frieden und Wohlstand in Europa gesichert werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der vierte Schwachpunkt der derzeitigen Russlandpolitik der USA\/Nato ist der Versuch der wirtschaftlichen Isolierung Russlands durch Sanktionen. Wenn Russland die M\u00f6glichkeit, Handel mit Westeuropa zu treiben, genommen ist, dann bleibt dem Land nichts anderes \u00fcbrig, als sich gen S\u00fcden, in Richtung China zu orientieren. Die russische Politik hat meiner Ansicht nach sehr lange versucht, die Westoption offen zu halten. Erst im Jahr 2021 scheint sich f\u00fcr die russische F\u00fchrung der Eindruck verdichtet zu haben, dass ein Waffengang in der Ukraine unvermeidlich und die Westoption endg\u00fcltig vom Tisch ist. In einer Partnerschaft mit China ist Russland in jedweder Hinsicht -demografisch, wirtschaftlich und politisch \u2013 der Juniorpartner. Schon heute hat Russland im S\u00fcdosten des Landes Probleme, die riesigen Fl\u00e4chen mit eigenen Landsleuten zu besiedeln. In die Bresche springen immer mehr chinesische Einwanderer, die ganze Landstriche \u00fcbernehmen. China hat l\u00e4ngst einen begehrlichen Blick auf den Rohstoffreichtum Russlands geworfen. Russland wird hier Partnerschaften akzeptieren m\u00fcssen, die nicht zum Vorteil der Russen gestaltet sind. Welchen Sinn es hat, Russland in die Arme Chinas zu treiben, dar\u00fcber hat sich die amerikanische Politik bisher ausgeschwiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich sei noch ein letzter Kritikpunkt angesprochen. Der Krieg in der Ukraine kostete die USA bisher nicht viel. Das kann sich aber schlagartig \u00e4ndern, sollte es zu einer Eskalation kommen. Die USA haben ein gro\u00dfes Eigeninteresse daran, dass diese nicht eintritt. Unabh\u00e4ngig davon bindet auch der jetzige Zustand gen\u00fcgend Mittel, die an anderer Stelle fehlen.<a id=\"_ftnref13\" href=\"#_ftn13\">[17]<\/a> Die USA sind milit\u00e4risch nahezu \u00fcberall auf dem Globus vertreten. Die Finanzierung dieses milit\u00e4rischen Engagements ist keineswegs gesichert. Leisten sich doch die USA bereits in Friedenszeiten hohe Haushalts- und Au\u00dfenhandelsdefizite, die zu einer relativ hohen Auslandsverschuldung gef\u00fchrt haben. Wenn der eigentliche Konflikt derjenige mit China ist, welchen Sinn macht es dann, eigene Mittel f\u00fcr einen Krieg zu verwenden, der tendenziell China in die Karten spielt?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Tage der US-Dollar-Dominanz sind gez\u00e4hlt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eine der ersten Ma\u00dfnahmen der USA und der EU nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine war die Abschottung der wichtigsten russischen Banken von dem Zahlungsverkehrssystem SWIFT und die Blockierung der W\u00e4hrungsreserven der russischen Zentralbank in den Staaten, die sich an den Sanktionen gegen Russland beteiligten. Die russischen Banken konnten keine internationalen Geldtransaktionen z.B. f\u00fcr den Rohstoffhandel mehr vornehmen. Die Zentralbank Russlands konnte auf ihre Devisenreserven nicht mehr zugreifen. Sch\u00e4tzungen zufolge besitzt die russische Zentralbank 600 Mrd. USD an Devisenreserven. Davon wurden ca. 300 Mrd. USD blockiert. Im Fr\u00fchling 2023 lie\u00df sich EU-Kommissionspr\u00e4sidenten Ursula von der Leyen vernehmen, man k\u00f6nne das blockierte Geld doch f\u00fcr den Wiederaufbau der Ukraine nutzen. Dieser leichtfertige Versuch, nach fremden Verm\u00f6gen zu greifen ist in zweierlei Hinsicht bedenklich. Erstens ist offenkundig, dass f\u00fchrende westliche Politiker f\u00fcr die Ukraine\/Russland keinen nachhaltigen Friedensplan im Sinn haben. Russland solle im Falle einer milit\u00e4rischen Niederlage m\u00f6glichst teuer den angerichteten Schaden bezahlen. Politiker, die so argumentieren, d\u00fcrften Russland einen Friedensvertrag nach der Art des Versailler Vertrags aufzwingen wollen. Dabei d\u00fcrfte ebenso wenig Gutes herauskommen wie in den Jahren 1919ff.<a id=\"_ftnref14\" href=\"#_ftn14\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und zweitens werden staatliche Devisenreserven bei ausl\u00e4ndischen Banken in dem Vertrauen aufgebaut, dass sie im Krisenfall auch verwendet werden k\u00f6nnen. Normalerweise genie\u00dfen Verm\u00f6gensaktiva eines Staates im Ausland Immunit\u00e4t. Diese Ma\u00dfnahme ist deswegen aus gutem Grund bei fr\u00fcheren Kriegen bisher nicht angewandt worden. Die EZB hat dann auch davor gewarnt, ohne Rechtsgrundlage einfach \u00fcber ausl\u00e4ndisches Verm\u00f6gen zu verf\u00fcgen. Dies k\u00f6nne das Vertrauen von ausl\u00e4ndischen Institutionen untergraben, die auf Euro lautende Wertpapiere als Devisenreserven halten.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[19]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der SWIFT-Ausschluss russischer Banken und die Blockade russischen Zentralbankverm\u00f6gens k\u00f6nnte sich aber vor allem f\u00fcr die USA als Bumerang erweisen. Hat doch die US-W\u00e4hrung mit einem Anteil von knapp 60% den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Anteil an den weltweiten Devisenreserven. Viele Staaten, neben Russland vor allem die anderen BRIC-Staaten, arbeiten bereits an alternativen Zahlungssystemen und alternativen Reservew\u00e4hrungen. Auf dem Tisch liegen Pl\u00e4ne f\u00fcr eine rohstoffgedeckte Reservew\u00e4hrung (v.a. \u00d6l und Gold), die an Stelle der Sonderziehungsrechte des IWF treten soll. China versucht zudem seit Jahren, die eigene W\u00e4hrung als stabile Alternative zum US-Dollar zu pr\u00e4sentieren. Diese Bem\u00fchungen haben durch die kurzsichtige Blockade russischer Konten erheblichen R\u00fcckendwind erhalten. Der Renminbi ist auf dem Weg, den US-Dollar als Leitw\u00e4hrung im Rohstoffhandel abzul\u00f6sen. Russland verkauft sein \u00d6l mit einem hohen Abschlag zu den Weltmarktpreisen an China in chinesischer W\u00e4hrung. Dasselbe gilt f\u00fcr den Iran und Venezuela, die ebenfalls von den USA sanktioniert werden. Zusammen verf\u00fcgen sie \u00fcber rund 40% der Welt\u00f6lreserven. China hatte bereits 2018 an der Shanghai Futures B\u00f6rse einen in Renminbi gehandelten \u00d6lkontrakt eingef\u00fchrt. Bis 2025 will das Land der Mitte die Shanghaier Futures B\u00f6rse f\u00fcr das auf Renminbi lautende Settlement des gesamten gehandelten Roh\u00f6ls nutzen. Aber Chinas Ambitionen gehen noch weit dar\u00fcber hinaus. Pr\u00e4sident Xi hat den Golf-Anrainerstaaten eine neue Form der Kooperation im Energiebereich angeboten. Diese sollen ihre \u00d6l- und Gasproduktion an China in Renminbi verkaufen und die erhaltenen Petro-Renminbi durch den Kauf chinesischer Investitionsg\u00fcter oder durch gemeinsame Investitionen in den \u00d6l-Downstream-Sektor recyceln. China ist auch die treibende Kraft hinter dem mBridge-Projekt, das eine Plattform f\u00fcr den Austausch digitaler Zentralbankreserven bietet. Die Zukunft der Weltw\u00e4hrungsreserven wird digital sein und China hat sich bereits prominent bei vielen Akteuren daf\u00fcr platziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage der Dollar-Dominanz im Rohstoffhandel und bei den Weltw\u00e4hrungsreserven scheint sich also dem Ende zuzuneigen. Dies ist insofern eine neue Herausforderung f\u00fcr die USA, da sie bisher das Privileg genossen, die Welt mit W\u00e4hrungsreserven zu versorgen. Die wurden durch hohe Zwillingsdefizite in Haushaltsetat und Leistungsbilanz geschaffen. Bis vor ca. 10 Jahren war dies kein Problem, da viele Schwellenl\u00e4nder, darunter v.a. China ihre Au\u00dfenhandels\u00fcbersch\u00fcsse durch den Kauf von US-Staatsanleihen recycelten. Die Zwillingsdefizite sind geblieben. Die Staatsverschuldung der USA in Relation zum BIP ist in den letzten 15 Jahren von 65% auf rund 120% gestiegen. Aber die Auslandsnachfrage nach US-Staatsanleihen hat deutlich nachgelassen. Das gilt nicht nur f\u00fcr China, das seinen Bestand an US-Treasuries zuletzt merklich reduzierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auslandsgl\u00e4ubiger der USA werden sich zunehmend fragen m\u00fcssen, ob das Investment in US-Treasuries immer noch eine gute Idee ist. Ein Land, das sich selbst in konjunkturell guten Zeiten regelm\u00e4\u00dfig Haushaltsdefizite von mehr als 5% des BIP leistet, kann nicht gerade als Hort der Stabilit\u00e4t gelten. Unabh\u00e4ngig davon, dass mit den Staatsgeldern teilweise geopolitische Ziele verfolgt werden, die den Interessen einzelner Gl\u00e4ubiger zuwiderlaufen. Die US-Geldpolitik hat ihren S\u00fcndenfall bereits hinter sich. Die US-Zentralbankgeldmenge hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2022 mehr als verzehnfacht. Allein in der Corona-Zeit hat die US-Notenbank die Zentralbankgeldmenge noch einmal verdoppelt. Durch die j\u00fcngste Straffung der Geldpolitik wurde noch nicht einmal ein Viertel des in Corona-Zeiten zus\u00e4tzlich geschaffenen Geldes wieder zur\u00fcckgenommen. Nennenswerte Wachstumseffekte hat die jahrzehntelange Geldflut nicht hervorgebracht. Sie hat eine Asset Inflation bewirkt, die die f\u00fchrenden US-Unternehmen zu den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Unternehmen der ganzen Welt gemacht hat. Zumindest was den B\u00f6rsenwert betrifft. Dazu unten mehr. Und sie hat diverse spekulative Blasen wie z.B. die Bit- und Altcoin-W\u00e4hrungen beg\u00fcnstigt. Das ist die schlimmste Sorte von Blasen, da hinter dem fehlgeleiteten Kapital kein produktives Asset steht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"654\" height=\"401\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Staatsschuldenquote-USA.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-666\" style=\"aspect-ratio:1.6309226932668328;width:1014px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Staatsschuldenquote-USA.png 654w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Staatsschuldenquote-USA-300x184.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In j\u00fcngster Zeit wurden die USA, wie viele andere L\u00e4nder auch, von Inflation heimgesucht. Und diese Inflation war nicht durch den Krieg in der Ukraine bedingt. Sie war auf breiter Front schon im Jahr 2021 aufgetreten. Die Preissteigerungen waren durch Knappheiten und Lieferkettenprobleme in der Post-Corona-Welt begr\u00fcndet. Sie waren ein Vorgeschmack darauf, was die westlichen Industriel\u00e4nder bei fortschreitender Deglobalisierung in der Zukunft erwarten d\u00fcrfen. Die Fed hat auf die zwischenzeitlich zweistelligen Preissteigerungsraten mit starken Zinserh\u00f6hungen von 0,25% auf einen Leitzins von aktuell 5,25%-5,50% reagiert. Diese Ma\u00dfnahmen waren notwendig. Eine Zentralbank, die erst die Geldmengen vervielfacht und anschlie\u00dfend keine energischen Gegenma\u00dfnahmen ergreift, wenn die Inflationsraten l\u00e4ngere Zeit markant \u00fcber den Zielmarken von 2% liegen, h\u00e4tte bei in- und ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Das Gleiche gilt, wenn die Zinsen zu schnell wieder gesenkt werden, ohne dass die Inflationsdynamik nachhaltig gebrochen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dauerhaft h\u00f6here Zinsniveau bringt nun aber die Fiskalpolitik in die Bredouille, die den hohen Schuldenberg deutlich teurer refinanzieren muss. Ein Teufelskreis, in den sich die USA und einige L\u00e4nder in Europa selbst hineinman\u00f6vriert haben. Die Binnenpolitik wirkt zudem nicht gerade vertrauenserweckend f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren. Da ist zum einen die regelm\u00e4\u00dfig mit wechselnden Rollen aufgef\u00fchrte Schmierenkom\u00f6die um die absolute (!) US-Schuldengrenze, die einer modernen Volkswirtschaft unw\u00fcrdig ist. Zum anderen wirft auch die US-Pr\u00e4sidentenwahl im November 2024 einen dunklen Schatten. Da werden vermutlich zwei ann\u00e4hernd Achtzigj\u00e4hre (Biden wird dann 81 Jahre alt sein, Trump 78 Jahre) gegeneinander antreten, die sich am liebsten gegenseitig im Gef\u00e4ngnis s\u00e4hen. F\u00fcr ihre jeweilige Anh\u00e4ngerschaft gilt das Gleiche. Haben die USA hier wirklich nichts Besseres zu bieten?<\/p>\n\n\n\n<p>Inflation und der schleichende Bedeutungsverlust des US-Dollars als Reservew\u00e4hrung haben bei langlaufenden US-Staatsanleihen eine veritable Baisse bewirkt. Von ihrem Hoch im August 2000 haben 10-j\u00e4hrige US-Staatsanleihen rund ein Viertel verloren. Bei zehnj\u00e4hrigen deutschen Bundesanleihen, die sich wie chinesische Staatsanleihen noch bis zum Jahr 2020 als sicherer Hafen pr\u00e4sentierten, sieht es noch einen Tick schlimmer aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"698\" height=\"443\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Total-Return-GovBonds-china-usa-bed-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-672\" style=\"aspect-ratio:1.5756207674943568;width:952px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Total-Return-GovBonds-china-usa-bed-1.png 698w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Total-Return-GovBonds-china-usa-bed-1-300x190.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Strukturell ist kein Ende des B\u00e4renmarkts bei US-Staatsanleihen in Sicht. Der Staatshaushalt ist chronisch defizit\u00e4r, die Zinsausgaben steigen kr\u00e4ftig an. Das Ausland und die Zentralbank fallen kurzfristig als K\u00e4ufer aus. Und das inl\u00e4ndische Sparaufkommen ist nicht gro\u00df genug, um das gro\u00dfe Angebot neuer Anleihen zu absorbieren. Kurzfristig sind vor allem zwei Szenarien f\u00fcr den US-Dollar und US-Staatsanleihen denkbar. Erstens k\u00f6nnte die lang erwartete und bisher nicht eingetretene Rezession doch noch kommen. Diese Frage soll im folgenden Abschnitt er\u00f6rtert werden. Falls jedoch keine Rezession eintritt, ist zu fragen, wie sich die Inflation, die US-Geldpolitik und die Bewertung der US-Aktienm\u00e4rkte entwickeln werden. Das soll im letzten Kapitel behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Amerikanische Sonderkonjunktur auf Dauer?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In den USA gab die Konjunkturentwicklung in den letzten 12 Monaten vielen Marktbeobachtern R\u00e4tsel auf. Der wohl am sichersten erwartete und prognostizierte Konjunkturabschwung in der Geschichte der USA, gemessen an den Prognosen vor einem Jahr, ist nicht eingetreten. Zwar zeigten auch in den USA ebenso wie im Rest der Welt Fr\u00fchindikatoren und die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe (Einkaufsmanagerindex Manufacturing) einen leichten R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung an. Die GDPNow-Sch\u00e4tzungen, die die aktuelle BIP-Entwicklung wiedergeben sollen, blieben aber \u00fcber den gesamten Zeitraum im positiven Bereich. Und ebenso blieb der Einkaufsmanagerindex f\u00fcr das in den USA dominierende Dienstleistungsgewerbe fast durchgehend \u00fcber der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Dadurch hat sich eine Divergenz zwischen dem US-Dienstleistungssektor und der Industriekonjunktur im Rest der Welt ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob nun im Verarbeitenden Gewerbe ebenfalls ein Stimmungsaufschwung einsetzt, oder ob umgekehrt der starke Zinsanstieg und die h\u00f6heren Refinanzierungskosten f\u00fcr Unternehmen mit Verz\u00f6gerung auf den Dienstleistungssektor durchschlagen, ist momentan v\u00f6llig offen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"677\" height=\"405\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Konjunktur-USA-Europa.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-673\" style=\"aspect-ratio:1.671604938271605;width:954px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Konjunktur-USA-Europa.png 677w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Konjunktur-USA-Europa-300x179.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 677px) 100vw, 677px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine US-Rezession ist bei den Konjunkturerwartungen weitgehend ausgepreist worden, wie die durchschnittlichen BIP-Sch\u00e4tzungen bis zum 2. Quartal 2024 zeigen. Dr. Kupfer, vielzitiert, wenn sich ein neuer Aufschwung abzeichnet, liefert momentan ebenso wenig Antworten, wie die im LME-Basismetallindex zusammengefassten Metalle (Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei, Zinn). Nach den Kursverlusten des LME-Index von rund 20% in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2023 m\u00fchen sich die Basismetalle aus technischer Sicht um eine Bodenbildung, die aber noch nicht vollendet ist. Die im MSCI Metals &#038; Mining enthaltenen Aktien pr\u00e4sentierten sich in den letzten Monaten erneut relativ schwach gegen\u00fcber dem breiten US-Aktienmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Anleihenm\u00e4rkte bleiben mit einer inversen Zinsstruktur skeptisch gegen\u00fcber der US-Konjunktur. Sollte sich also eine rezessive Entwicklung in den USA in den n\u00e4chsten Monaten doch noch durchsetzen (meinem Empfinden nach liegt die Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr noch bei 50%), ist vor allen Dingen mit zwei Entwicklungen zu rechnen. Die internationalen Aktienm\u00e4rkte d\u00fcrften aufgrund der zyklischen Gewinnr\u00fcckg\u00e4nge einen B\u00e4renmarkt erleben. Vom heutigen Niveau w\u00e4ren in diesem Fall weitere Kursr\u00fcckg\u00e4nge von 25%-30% wahrscheinlich. Besonders getroffen werden d\u00fcrften die \u00fcberteuerten gro\u00dfen US-Aktien (s.u.).<\/p>\n\n\n\n<p>Und zweitens w\u00fcrde die amerikanische Notenbank vermutlich wieder auf eine expansive Linie umschwenken, da die Inflationsraten dann aus zyklischen Gr\u00fcnden an oder unter die Zielmarken fallen. Die Notenbank kann die Geldmengen bei einem Konjunkturabschwung sehr schnell erh\u00f6hen, indem sie die Reverse Repos nicht mehr verl\u00e4ngert. Dieses Instrument ist in den letzten Jahren geschaffen worden, um das durch Offenmarktk\u00e4ufe geschaffene Zentralbankgeld teilweise wieder einzufangen. Eine expansivere Geldpolitik d\u00fcrfte vor allem zwei Effekte haben. Zum einen d\u00fcrfte sich bei schwachen Aktienm\u00e4rkten eine (kurzzeitige) Hausse bei US-Staatsanleihen ergeben. Zum anderen d\u00fcrfte der US-Dollar schwach tendieren, da die strukturellen Probleme der US-Volkswirtschaft der USA durch die Geldpolitik nicht gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Der ohnehin schon existierende Trend der allm\u00e4hlichen Abl\u00f6sung des US-Dollar bei den W\u00e4hrungsreserven (s.o.) k\u00f6nnte sich dann noch einmal empfindlich beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch falls es zu keinem Konjunktureinbruch in den USA kommt, kann f\u00fcr US-Aktien keine Entwarnung gegeben werden. In diesem Fall d\u00fcrften sich die US-Inflationsrate bei immer noch sehr robusten Arbeitsm\u00e4rkten auf dem gegenw\u00e4rtigen Niveau stabilisieren. Die US-Kerninflationsraterate lag zuletzt im Jahresvergleich bei 4,39%. Die monatlichen Preissteigerungen lagen in den letzten 3 Monaten zwischen 0,2% und 0,3%, was einer annualisierten Kerninflation von etwa 3% entspricht. Mit den US-Einkaufsmanagerindizes zog aber auch die Subkomponente \u201ebezahlte Preise\u201c wieder nach oben an. Der \u00d6lpreis legte in wenigen Monaten \u00fcber 20% zu. Sollte bei anhaltend stabiler US-Konjunktur die Fr\u00fchindikatoren auch in anderen Weltwirtschaftsregionen erste Lebenszeichen senden, so w\u00e4re relativ schnell mit einer Wiederbelebung der Inflationsraten zu rechnen. Nicht in der Gr\u00f6\u00dfenordnung vom Sommer 2021. Aber mit 5-6% Jahresinflation noch hoch genug, um viele Notenbanken in ein Dilemma zu st\u00fcrzen. K\u00f6nnen sie es sich in einem derartigen Makroumfeld doch nicht leisten, wie Ende der siebziger Jahre einen zweiten Inflationsschub zu riskieren. Bei anhaltend hohem oder leicht steigendem Zinsniveau bleibt aber auch der Druck auf Aktienbewertungen hoch. Nun haben die meisten Aktienm\u00e4rkte, gemessen am durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verh\u00e4ltnis (KGV), ein dem erh\u00f6hten Zinsniveau ad\u00e4quates Bewertungsniveau erreicht. Das gilt f\u00fcr die Aktienm\u00e4rkte in Asien und Europa. Und das gilt im Besonderen f\u00fcr Rohstoffaktien, wo nicht selten zweistellige Dividendenrenditen bei einstelligen KGV anzutreffen sind. Lediglich ein Markt ist im Durchschnitt deutlich teurer bewertet als alle anderen. Und das ist der US-Aktienmarkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Blase bei den gro\u00dfen US-Technologiewerten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>US-Aktien haben sich in den letzten Jahren wesentlich besser entwickelt als die Aktienm\u00e4rkte in anderen Regionen. Auf Sicht von 10 Jahren schaffte der S&#038;P 500 ein Kursplus von 200%, w\u00e4hrend Europa und Japan mit einem Kurszuwachs von etwas mehr als 50% deutlich distanziert wurden. In den letzten 3 Jahren war in China und allgemein in den Schwellenl\u00e4ndern eine negative Renditeentwicklung zu beobachten. In China hatte dies hausgemachte Gr\u00fcnde: Das lange Festhalten an einer restriktiven Covid-Politik, die Regulierung der chinesischen Internetfirmen oder die Probleme im Immobiliensektor. Aber auch die schwache Entwicklung der asiatischen W\u00e4hrungen, die auch den japanischen Topix 100 stark belastete, ist hier anzuf\u00fchren. \u00dcber den gesamten Zeitraum spielt die W\u00e4hrungsentwicklung aber nur eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle 1 Total Return in USD f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Indices, Stand 06.10.2023 (Quelle: Refinitiv)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"586\" height=\"161\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-TablePerformance-equity-indices.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-676\" style=\"aspect-ratio:3.639751552795031;width:932px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-TablePerformance-equity-indices.png 586w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-TablePerformance-equity-indices-300x82.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Quelle: Refinitiv, eigene Berechnungen<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Outperformance von US-Aktien in den letzten Jahren? Zum einen sicherlich das hohe Gewinnwachstum bei den Technologiewerten. Zum anderen aber auch der Trend zur Indexierung und zu Exchange Traded Funds. Aktive Managementans\u00e4tze sind seit geraumer Zeit auf dem R\u00fcckzug. Meist wird institutionellen Anlegern von der Wall Street ein passiver Index mit sehr geringen Kosten als superior zu aktiven Anlagen angedient. Bei einem globalen Portfolio ist das nicht selten der MSCI World Index. Die Kanalisierung von Zufl\u00fcssen in passive Indexportfolios f\u00fchrt den ohnehin schon gr\u00f6\u00dften Aktien immer mehr Mittel zu. <\/p>\n\n\n\n<p>Aktive Ans\u00e4tze m\u00fcssen sich im institutionellen Bereich durch Tracking Error Vorgaben oft eng an einem Benchmarkindex orientieren. Die Untergewichtung von gro\u00dfen, oft \u00fcberteuerten Titeln ist dadurch nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Diese Entwicklungen haben dazu gef\u00fchrt, dass die gr\u00f6\u00dften US-Aktien im Weltaktienindex MSCI World aktuell ein absurd hohes Gewicht erreicht haben. \u00dcber 60% des MSCI World werden heute durch US-Aktien repr\u00e4sentiert. Vor 35 Jahren waren es nur rund ein Drittel. Im MSCI Developed World, der die etablierten und gr\u00f6\u00dften Aktien in den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern erfasst, haben US-Aktien ein Gewicht von ann\u00e4hernd 70%. Unter den gr\u00f6\u00dften 20 Titeln findet sich lediglich ein Wert, der nicht in den USA domiziliert ist. Die Schweizer Nestle auf Platz 19. Zum Vergleich: Die USA haben einen Anteil am globalen Bruttosozialprodukt von etwa einem Viertel. Hier stimmen die Austauschverh\u00e4ltnisse meiner Ansicht nach nicht mehr. Auf der einen Seite stehen auf dem Papier riesige B\u00f6rsenwerte von Firmen mit meist Internet basierten Gesch\u00e4ftsmodellen. Auf der anderen Seite g\u00fcnstig bewertete Titel, die ber\u00fchrbare G\u00fcter herstellen, die in den wachsenden Schwellenl\u00e4ndern ben\u00f6tigt werden. Angesichts der Machtverschiebung weg von den USA hin zu einer multipolaren Welt ein unhaltbarer Zustand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"662\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-1024x662.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-678\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-1024x662.png 1024w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-300x194.png 300w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-768x497.png 768w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-1536x993.png 1536w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/c-weights-msci-countries-2048x1324.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Quellen: Roberto Violi<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[20]<\/a>, MSCI<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[21]<\/a>, IShares<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[22]<\/a>, Refinitiv, Eigene Berechnungen<\/p>\n\n\n\n<p>Die USA wird wohl einen \u00e4hnlich schmerzhaften Weg wie Japan in den neunziger Jahren gehen m\u00fcssen, nachdem die japanische Aktien- und Immobilienblase in den Jahren 1989ff. geplatzt war. Das Gewicht Japans im MSCI World verringert sich von \u00fcber 40% auf aktuell knapp 6%.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend kommt in den USA hinzu, dass ein gro\u00dfer Anteil der US-Gesamtmarktkapitalisierung auf wenige, gro\u00dfe Werte konzentriert ist. Aktuell machen die 10 gr\u00f6\u00dften Aktien im S&#038;P 100 Index mehr als 45% des Gewichts des gesamten Index aus. Nur w\u00e4hrend der TMT-Blase im Jahr 2000 war der Anteil der gr\u00f6\u00dften 10 Aktien kurzzeitig noch h\u00f6her. Und die gr\u00f6\u00dften US-Aktien sind fast ausschlie\u00dflich Technologietitel, die an der amerikanischen Technologieb\u00f6rse Nasdaq gehandelt werden. Der breite Aktienmarkt ist in den USA keineswegs so gut gelaufen. Betrachtet man die Kursentwicklung der im Nasdaq 100 zusammengefassten Technologietitel relativ zum breiten US-Markt (Russell 2000 Aktienindex), kann man erkennen, dass Technologietitel noch teurer sind als w\u00e4hrend der \u201eJahrhundertblase\u201c des Jahres 2000. Beide Chartlinien deuteten im Jahr 2022 eine Top-Bildung und Trendwende an. Die eigentliche, gro\u00dfe Korrektur auf Werte wie in den Jahren 2005 bis 2015 steht aber immer noch aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"661\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-1024x661.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-680\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-1024x661.png 1024w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-300x194.png 300w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-768x496.png 768w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-1536x992.png 1536w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-Weight-top10-ratio-nasaq-russell-2048x1322.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Quelle: Refinitiv, Eigene Berechnungen<\/p>\n\n\n\n<p>Denn auch die Bewertungen der gr\u00f6\u00dften Nasdaq-Titel liegen heute in etwa auf dem Niveau der Aktienblase des Jahres 2000. In Anlehnung an den Kultwestern hat die Wallstreet f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften an der Nasdaq quotierten Unternehmen -Apple, Microsoft, Amazon, Nvidia, Alphabet, Tesla und Meta Platforms &#8211; den \u00dcberbegriff die Glorreichen Sieben geschaffen. Und diese Glorreichen Sieben notieren heute mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verh\u00e4ltnis (KGV) von knapp 34. Das ist deutlich h\u00f6her als der breitere S&#038;P 500 oder als in Europa der EuroStoxx 50. Vor allem, wenn man in Rechnung stellt, dass kurzfristige US-Staatsanleihen wieder einen Zinssatz von \u00fcber 5% bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Druck auf die Bewertungen war in Europa und bei den kleineren US-Titeln durchaus zu sp\u00fcren. Nach dem R\u00fcckgang der KGV in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2022 tendieren diese seither auf tieferem Niveau seitw\u00e4rts. Vor allem bei vielen europ\u00e4ischen Titeln sind ebenso wie bei Rohstoffaktien bereits wieder attraktive Einstiegsniveaus gegeben. Ganz anders die Situation bei den Glorreichen Sieben. Durch die fulminanten Kursgewinne des Jahres 2023 sind die KGV noch einmal deutlich angesprungen. Der Einwand, die Gesellschaften k\u00f6nnten doch aus den \u201ehohen Bewertungen herauswachsen\u201c, f\u00fchrt meiner Ansicht nach in die Irre. Bei einem Kurs-Umsatz-Verh\u00e4ltnis von zwischenzeitlich knapp 100, wie bei Nvidia vor einigen Monaten zu beobachten, muss man sehr lange sehr schnell wachsen und hat immer noch kein vern\u00fcnftiges Bewertungsniveau erreicht. Zudem gibt es bei einigen der Glorreichen Sieben individuelle Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass die Zukunft weniger rosig ausfallen k\u00f6nnte, als gegenw\u00e4rtig diskontiert wird. So profitiert Nvidia angesichts drohender US-Sanktionen gegen China im Chipbereich von vorgezogenen K\u00e4ufen aus Asien. Bei Apple und Tesla k\u00f6nnte zunehmender Konkurrenzdruck aus dem Ausland die hohen Margen der Vergangenheit aush\u00f6hlen. Die Marktduopole, die sich im Technologiebereich herausgebildet haben, werden auch bei den anderen Aktien der Glorreichen Sieben nicht jede seine Wachstumsziele erreichen lassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"662\" src=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-1024x662.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-681\" srcset=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-1024x662.png 1024w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-300x194.png 300w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-768x496.png 768w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-1536x992.png 1536w, https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/C-KGV-Glorreichen-7-Leitzins-2048x1323.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Quelle: Refinitiv, Eigene Berechnungen<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die USA konnten in den letzten Jahren ihren Einflussbereich noch einmal kr\u00e4ftig ausdehnen. Die konfrontative Strategie gegen Russland hat aber auch gravierende Nachteile. Sie birgt erhebliche Eskalationsgefahren und sie schadet auf Dauer den europ\u00e4ischen Partnern. Im geopolitischen Bereich beschleunigt diese Strategie eine Blockbildung, die die dominante Position der USA im W\u00e4hrungsbereich gef\u00e4hrdet. Die USA haben sich im Finanzbereich durch eine nicht nachhaltige Fiskal- und Geldpolitik exponiert. Sie leisteten sich in den letzten Jahrzehnten hohe Haushalt- und Au\u00dfenhandelsdefizite, die das Ausland immer weniger zu finanzieren bereit ist. Die Vervielfachung der Geldmengen durch die amerikanische Zentralbank beg\u00fcnstigte spekulative Blasen in unproduktiven Anlagen. Die gro\u00dfen amerikanischen Aktien sind heute die teuersten in der Welt und bergen erhebliche Kurs- und Korrekturrisiken. Viele der f\u00fcr die USA vorgebrachten Kritikpunkte gelten auch f\u00fcr die westeurop\u00e4ischen Staaten. Insbesondere dann, wenn sie sich widerspruchslos im Schlepptau der amerikanischen Politik befinden. Anleger sollten in einer multipolaren Welt ihren strategischen Fokus weg von den USA und Europa, und hin zu den Schwellenl\u00e4ndern, insbesondere in Asien richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Markus Mezger<\/p>\n\n\n\n<p>Stuttgart, den 12. Oktober 2023<\/p>\n\n\n\n<p>>>> <strong><a href=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/USA_auf_dem_Gipfel.pdf\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/USA_auf_dem_Gipfel.pdf\">Download Artikel als PDF<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Zumindest viele Russen sehen das bis heute so. Und auch die Premiers von England und Frankreich, Thatcher und Mitterand, die der Deutschen Einheit skeptisch bis ablehnend gegen\u00fcberstanden, hatten von Gorbatschow mehr Widerstandskraft erwartet. Vgl. u.a. die DVD von Guido Knopp (2003): Deutschlandspiel. Ein fesselndes Doku-Drama \u00fcber die deutsche Einheit.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> zitiert nach Klaus von Dohnanyi (2022): &nbsp;Nationale Interessen. Orientierung f\u00fcr deutsche und europ\u00e4ische Politik in Zeiten globaler Umbr\u00fcche, S. 66<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Zbigniew Brzezinski (1997): The Grand Chessboard \u2013 American Primacy and its Geostrategic Imperatives, in Deutschland erschienen unter dem Titel \u201eDie einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> George F. Kennan: A Fatefull Error (1997), in New York Times, 5. Februar 1997<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[5]<\/a> Tim Marschall (2017): Die Macht der Geographie. Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erkl\u00e4ren l\u00e4sst. dtv Verlag Neuausgabe 2017 S.19<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[6]<\/a> Vgl. Peter Scholl-Latour (2007): Russland im Zangengriff. Putins Imperium zwischen Nato, China und Islam, S. 386-387<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[7]<\/a> Benjamin Abelow (2022): How the West brought War to Ukraine, S. 13-14<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn4\" href=\"#_ftnref4\">[8]<\/a> Zur Vorgeschiche des 5-Tage-Krieges vgl. Johannes Wetzinger (2011): Georgiens Au\u00dfenpolitik unter Michael Saakaschwili: ein riskantes Spiel im Spannungsfeld zwischen Washington und Moskau, in: Internationale Politik und Gesellschaft, Januar 2011<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn5\" href=\"#_ftnref5\">[9]<\/a> Ivan Katchanovski (2021): The Maidan Massacre in Ukraine: Revelations from Trials and Investigation sowie Ivan Katchanovski (2022): The Russia-Ukraine War and the Maidan in Ukraine, presented at the Annual Meeting of the American Political Science Association, Montreal, September 15-18, 2022<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn6\" href=\"#_ftnref6\">[10]<\/a> Bekannt geworden ist das geleakte Telefonat der damaligen stellvertretenden US-Au\u00dfenministern Viktoria Nuland, die den ber\u00fchmt gewordenen Satz \u201eFuck the EU\u201c (in Bezug auf die skeptische Haltung der EU zu Jazenjuk) ge\u00e4u\u00dfert hatte. Vgl. Jeffrey D. Sachs (2023): The ninth anniversary of the Ukraine war, 28. Februar 2023. https:\/\/www.jeffsachs.org\/newspaper-articles\/yjae8gc8hp2p293tmt4dlr4z2dpe2s<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn7\" href=\"#_ftnref7\">[11]<\/a> Prof. John Maersheimer: \u201eThe New government in Kiev was pro-Western and anti-Russian to the core and it contained four high-ranking members who could legitimately be labeled as neofascists\u201d, zitiert nach Benjamin Abelow (2022): How the West brought War to Ukraine, S. 15<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn8\" href=\"#_ftnref8\">[12]<\/a> V\u00f6lkerrechtswidrig wird von Prof. Reinhard Merket die Pr\u00e4senz russischer Truppen auf der Krim au\u00dferhalb ihrer Pachtgebiete w\u00e4hrend des Referendums eingestuft. Um das als gravierenden Versto\u00df einzustufen, h\u00e4tte man nachweisen m\u00fcssen, dass die russische Truppenpr\u00e4senz das Abstimmungsergebnis ma\u00dfgeblich beeinflusst hat. Es ist auch im Westen unstrittig, dass dies nicht der Fall war. Vgl. Prof. Reinhard Merkel (2017): Die Krim und das V\u00f6lkerrecht, in Rubikon, 13. Dez. 2017, S. 3: \u201e\u2026wie immer man das Abstimmungsverfahren auf der Krim einsch\u00e4tzen will, es eigentlich zweifelsfrei war, dass eine deutliche Mehrheit der Krim-Bewohner zu Russland gewollt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn9\" href=\"#_ftnref9\">[13]<\/a> Vgl. Hubert Seipel (2021): Putins Macht. Warum Europa Russland braucht, S. 115-120<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn10\" href=\"#_ftnref10\">[14]<\/a> K\u00f6nigin im Exil, in: Der Spiegel, 24. November 2022<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn11\" href=\"#_ftnref11\">[15]<\/a> Gabriele Krone-Schmalz: Russland und die Ukraine &#8211; Vortrag in Reutlingen, https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Gkozj8FWI1w<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn12\" href=\"#_ftnref12\">[16]<\/a> Vgl. Hubert Seipel (2021), S. 65-73<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn13\" href=\"#_ftnref13\">[17]<\/a> In j\u00fcngerer Zeit mehren sich auch in den USA die Stimmen, dass von dem Punkt, an dem die USA sich heute bef\u00e4nden, die Risiken eines verst\u00e4rkten Engagements in der Ukraine h\u00f6her sind als die Chancen. Vgl. u.a. Samuel Charap und Miranda Priebe (2023): Avoiding a Long war. Rand Corporation Paper, Januar 2023<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn14\" href=\"#_ftnref14\">[18]<\/a> Die Emp\u00f6rung \u00fcber den Versailler Vertrag (1919) in Deutschland war so gro\u00df, dass damit die Keimzelle f\u00fcr den nachfolgenden Zweiten Weltkrieg bereits angelegt war. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass das Deutsche Kaiserreich dem nach der bolschewistischen Revolution kriegsunwilligen Russland in dem \u201eSchandfrieden von Brest-Litowsk\u201c unmittelbar zuvor ebenfalls gro\u00dfe Dem\u00fctigungen und Gebietsverluste zugemutet hatte. Vgl. dazu: Sebastian Haffner (1989): Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg, Manesse Verlag, 3. Auflage 1989, S. 32-51<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[19]<\/a> Martin Greive, Mareike M\u00fcller, Carsten Volkery: \u00a0EZB warnt EU vor Nutzung eingefrorenen russischen Verm\u00f6gens, in Handelsblatt, 23. Juni 2023<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[20]<\/a> https:\/\/www.researchgate.net\/figure\/Composition-of-the-MSCI-All-Country-World-Index-1987-2012-7_tbl1_325426617<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[21]<\/a> https:\/\/www.msci.com\/research-and-insights\/visualizing-investment-data\/acwi-imi-complete-geographic-breakdown<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[22]<\/a> https:\/\/www.ishares.com\/de\/privatanleger\/de\/produkte\/251850\/ishares-msci-acwi-ucits-etf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Mezger\u00a0 |\u00a0 12. Oktober 2023 Die letzten Jahre stellten die globale Wirtschaft vor gro\u00dfe Herausforderungen: Der Klimawandel erfordert langfristig hohe Investitionen, soll das Ziel einer deutlichen Reduktion des CO2-Aussto\u00dfes erreicht werden. Der von der Politik gew\u00e4hlte Umgang mit dem Corona-Virus f\u00fchrte nicht nur zu erheblichen Einschr\u00e4nkungen pers\u00f6nlicher Freiheitsrechte, sondern bewirkte tempor\u00e4r einen schweren Einbruch &#8230; <a title=\"Die USA auf dem Gipfel\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/die-usa-auf-dem-gipfel\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-656","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=656"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/656\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":693,"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/656\/revisions\/693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/micro-meets-macro.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}